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...und die verschiedenen Hörner und Signale

Jagdhörner

Signal- und Jagdhörner haben eine ähnliche Entwicklung erfahren. Militarhörner wurden z.B. in Skandinavien als Jagdhörner eingesetzt . Auch die Signale mit Ausnahme der Brauchtumssignale ähnelten sich sehr. Alle heute üblichen Jagdsignale  haben militärischen Ursprung. Viele Offiziere waren Jäger - was lag näher, als mit Hilfe der Hörner die Treiberwehren nach militärischem Vorbild zu leiten?

Verschiedene kleine Jagdhörner (die auch Fürst Pless - Hörner genannt werden, wenn der Schriftzug nicht auf dem Schallstück vorhanden ist). Links: 2 alte Fürst-Plesshörner  vom Hersteller Max B.Martin aus Mark, ca 100 Jahre alt, daneben ein Venilhorn (ein Flügelhorn in der Form eines Plesshornes) und ein Plesshorn mit besonders großem Schalltrichter. Würde man an einem solchen Horn eine rote Wicklung anbringen, wäre es noch lange kein Posthorn - Posthörner in der Stimmung "B" waren zur Zeit der Postkutsche nicht üblich!

Zu den ersten Jagdhörnern gehörten sicher die einfachen Rinderhörner, die an der Hüfte getragen wurde. Derartige Hörner sind auf vielen Abbildungen des Mittelalters zu finden. Aber nicht daher rührt der Name „Hifthorn“ – der einzelne Ruf wurde „Hief“ genannt. Es waren in der Regel nur ein bis zwei Töne möglich. Aus diesen Hifthörnern entwickelten sich dann die Halbmonde aus Kupfer, die auch im militärischen Bereich als „Flügelhörner“ (für den rechten Flügel und den linken Flügel zu Leiten der Schlacht) eingesetzt wurden. Aus den Halbmonden wiederum entstanden die Fouiloux-Hörner oder Einschleifenhörner, die aber bei der Herstellung schon ein erhebliches handwerkliches Können voraussetzten.

Für die Jagden zu Pferde sind seit dem 17. Jahrhundert Parforcehörner bekannt, die beim Reiten über der Schulter getragen wurden. Parforcehörner werden heute in Deutschland bei Schleppjagden mit Hundemeuten verwendet und sind meist in Es gestimmt. Eine Renaissance erlebt zur Zeit die Trompe de Chasse aus Frankreich, die ebenfalls zu solchen Jagden eingesetzt wird. Sie ist in der Regel in D gestimmt und hat einen eigenen sehr ungewohnten Klangcharakter, auch, weil sie mit einer besonderen Blastechnik geblasen werden muss. Wie das Es-Parforcehorn wird auch sie gern für konzertante Musik (Hubertusmesse) eingesetzt.

Dieses Bild zeigt ein zweiwindiges Parforcehorn in "B"-Stimmung mit besonders großem Waldhorn-Schallbecher, der durch besondere Bearbeitung eine Art "Hammerschlag"-Effekt erhalten hat. Hersteller: Instrumentenbaumeister Dobberstein, Frankfurt/Oder.



Die zahlenmäßig am häufigsten anzutreffenden Instrumente unter den Jagdhörnern sind die Fürst-Pleß-Hörner. Aufgrund ihrer Handlichkeit werden sie gern bei der Jagd geführt, sei es auf der Treibjagd als Steuerungsinstrument (wie ein Militärsignalhorn) oder bei der Brauchtumspflege (Verblasen der Strecke). Jagdhorngruppen benutzen neben den Fürst-Pless-Hörnern auch Parforcehörner in B und Ventilhörner für konzertante Musik. Die weichklingenden Parforcehörner in B-Stimmung unterstützen als Bass-Stimme die Plesshornstimmen bei konzertanten Stücken, werden zur Reitjagd allerdings kaum verwendet.

Hier eine echte Rarität: Ein altes hannoversches Jagdhorn aus dem Besitz eines verdienten Forstmannes im niedersachsischen Saupark, wo einst Kaiser und Könige jagten:


Es erinnert sehr an die militärisch verwendeten "bugles" aus Großbritannien - gab es doch auch sehr enge Verbindungen von Hannover dorthin. So waren z.B. die Könige Georg I. bis hin zu Georg V. auch Könige von Großbritannien.

Posthörner


So sieht es aus: Das Reichsposthorn aus kaiserlicher Zeit!  Hier mit originaler Reichsposthornkordel.

 Für diese Signale:





Postsignale aus der original Dienstanweisung für Postillione aus dem Jahre 1913

So uneinheitlich wie die Posthörner waren auch die Signale. Aufgrund des begrenzten Tonumfanges der Hörner ähnelten sich die Signale stark. Um Verwechslungen zu vermeiden, hatte einige der Posthörner sogar Tonlöcher, um Zwischentöne zu erzeugen. So konnte ein Postillion in der Nähe einer Zollstation im Vielvölkerstaat Deutschland per Signal mit Zwischentönen Signale benutzen, die seiner Kutsche freie Fahrt gestatteten. Postillione anderer Linien konnten das nicht – der Schlagbaum blieb geschlossen und die Maut musste gezahlt werden. Mit dem Posthorn wurde die Art des Transportes und die Anzahl der zu wechselnden Pferde an die nächste Posthalterei weitergegeben, damit die Reise unverzüglich fortgesetzt werden konnte. Aber auch ein Signal zum Einsteigen war notwendig, denn nur zu gern nutzten auch die Reisenden die Pausen, die gequälten Knochen zu erholen oder ein kühles Bier zu trinken. Ein treffender Trinspruch der Postillione:

Zur rechten Zeit ein kühler Trunk
nach guter alter Weise
Erholung ist’s und Haltstation
auf uns’rer Lebensreise!

Posthörner gab es in verschiedenen Varianten - ein- und mehrwindig, rund und in Trompetenform in zwei- bis fünfwindiger Ausführung und in England als Coachhorn in gerader Form.

Hier ein bayerisches Posthorn in "F" von Jos. Rauscher, München, mit einem langen Waldhornmundstück, so wie es gern von Postillionen benutzt worden war. Deutlich zu erkennen ist das Tonloch in Rohrstärke, das auch Zwischentöne ermöglicht. Bei Nachbauten findet man statt des richtigen Tonloches oft nur aufgelötete Wasserklappenöffnungen.

Auf dem nächsten Bild eine sehr alte, extrem leichte Posttrompete(?) ähnlich wie inPreussen  in "F" von Riedl, Nürnberg mit ausgezeichnetem Klang. Vielleicht auch eine Feldtrompete - ich forsche noch... .

Bedauerlicherweise werden immer noch sogenannte "Posthörner", meist mit dekorativer Kordel und dem Zusatz 1856, königlich... Posthalterei angeboten, die mit den wirklichen Posthörnern nichts gemein haben. Leider werden auch öfters Plesshörner in "B" bei Kutschfahrten benutzt. Mit historischer Korrektheit hat das nichts zu tun, es geht da mehr um die Show. Aber immerhin: Auch das erinnert an die Arbeit der Postillione!

Nicht vergessen: Das Posthorn wird nach wie vor als Symbol der Post bis in die heutige Zeit verwendet – wenn auch in geänderter Form! Wir finden es auf Briefmarken, Briefkästen, Postautos und über allen Postämtern auf Außentransparenten.


Militärhörner

  
Militärsignale sind von verschiedenen Ländern auch aus der Antike bekannt und ein wichtiges Kommunikationsmittel für alle Feldherren gewesen. Aus den Militärhörnern haben sich dann auch die Jagdhörner entwickelt, selbst viele heute übliche Militärsignale (das Ganze, linker Flügel, rechter Flügel, Mitte vor, Halt u.a.) haben ihren Ursprung in den historischen Militärsignalen. Militärhorner findet man als Halbmonde, ein- und zweiwindige längliche und runde Hörner vorwiedend in den Stimmungen As, B, C, Es und G. Die Kaiserliche Luftwaffe hatte sogar Signalhörner in C-Stimmung aus Aluminium!

 Hier nur eine kleine Auswahl: Signalhörner in "C", "B"(Deutschland)  und "G"(Österreich) - Stimmung aus Messing und vernickelt (Russland):