Alltag des Postillions
"Der Hahn der kräht , die Klock (Glocke) schlägt drei, der Fuhrmann hebt sich aus der Streu"
Der Alltag der Postillione war hart. Früh mussten sie aufstehen, die Pferde versorgen, die Postkutsche überprüfen und einspannen. Wenn das Signal „Aufforderung zum Einsteigen“ ertönte, stand der Postillion in seiner schmucken Uniform abfahrbereit neben der Kutsche.
Die Postillione waren nicht nur für das Gespann, sondern auch für die Sicherheit, die Sauberkeit und den Komfort der Reisenden verantwortlich – was bei dem damaligen Zustand der Straßen eine schwierige Aufgabe war. Erst 1750 gab es eine erste deutsche Chaussee zwischen Öttingen und Nördlingen! Aber in vielen Teilen Deutschlands waren die Wege in so schlechtem Zustand, dass der Postillion Mühe hatte, den rechten Weg zu finden.
Gab es dann einmal einen Sturz oder Radbruch, musste der Postillion nicht nur für die schnelle Reparatur sorgen, er wurde oft auch noch bestraft, teils sogar mit Stockschlägen!
Für einige Reisende gehörte es einfach zum guten Ton, die Postillione bei Ärger mit dem Stock zu traktieren. Warum sonst wurden Bestimmungen erlassen, die es den Reisenden untersagten, die Postknechte (Postillione) zu schlagen oder anders zu misshandeln?

Wer das Buch „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph Freiherr von Eichendorf gelesen hat, wird sich der dichterischen Romantik des Postkutschenreisens kaum entziehen können. Tatsächlich waren weder das Reisen für die Passagiere und schon gar nicht für den Postillion eine Erholung – es war harte Arbeit. Aber es bot erstmalig auch eine Möglichkeit, über die Grenzen des eigenen Dorfes hinwegzukommen.
Aber nicht jeder Postillion war geeignet – er musste „Thätig, nüchtern, treu und seinem Brodherrn gehorsam seyn“ (Verhaltungs-Regeln für die Großherzoglich Mecklenburgischen Postillons). Diese Vorgaben finden sich in nahezu allen Dienstvorschriften bis etwa 1915 in den Dienstanweisungen für Postillione. Man beachte die unterschiedlichen Schreibweisen:
Postillone (alt) und Postillione (vermutlich später aus dem Französischen eingedeutscht. Ähnlich ein anderes Wort: Schwager (Hoch auf dem gelben Wagen sitz ich beim Schwager vorn ...). Dieses Wort wurde vermutlich aus dem Französischen abgeleitet von Chevalier.
Auch musste der Postillion musikalisch sein. Wer die Postsignale nicht blasen konnte, verlor früher oder später seine Stellung.
Eine nette Beschreibung aus der Anweisung zum Gebrauche des Posthorns für die Königlich Hannoverschen Postillons, Hannover im Jahre 1832:
„Der Hauptzweck des Posthorn besteht darin, die Annäherung postmäßiger Transporte anzuzeigen, und solchen dadurch eine ungestörte und schleunige Beförderung zu sichern.
Das dies ein wichtiger Zweck ist, wird ein Jeder einsehen, und kein rechtlicher Postillon es verkennen, dass es seine Pflicht ist, zu Erreichung dieses Zweckes mitzuwirken, und zu dem Ende die vorgeschriebenen Signale kräftig und deutlich zu blasen.
Außerdem aber dient das Posthorn dazu, die Annehmlichkeiten des Postverkehrs zu erhöhen, indem sich dasselbe zu dem Vortrage wohlklingender Melodien sehr wohl eignet, und werden besonders mehrstimmig vorgetragene Stücke die dankbare Anerkennung der Reisenden finden.“
